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Was ist denn das da oben?
Was ist denn das da oben?

Es begann in der Bucht von Karathona

 

„Hast Du auch so einen tierischen Hunger?“ Traurig schaut mich Schnauzi mit seinen hellen Augen an. Seit Tagen hat mein gutmütiger Freund nichts erbeuten können. Ängstlich weicht er den Menschen aus, obwohl es in deren Nähe die leckersten Happen gibt. Etwas ganz Schlimmes muss ihm ein Mensch angetan haben, über das er aber nicht sprechen möchte. Noch nicht einmal mit mir. „Ich bin doch deine Freundin, mir kannst Du alles sagen“, liebevoll knabbere ich ihm am Ohr. „Ach, Du Grünschnabel, was weißt Du schon von der Welt? Meinst, alle Menschen wären lieb und würden uns nur streicheln und füttern wollen!“ Resigniert legt er seinen Kopf auf die Vorderpfoten. „Ist doch alles ganz einfach“, rufe ich ihm übermütig zu. „Du musst nur ein bisschen freundlich zu den Leuten sein, schwänzelnd zu ihnen laufen und gaaanz lieb gucken. Ungefähr so!“ Kokett lege ich mein Köpfchen schief und schaue Schnauzi an, aber nicht direkt, sondern ein kleinwenig durch ihn hindurch. Das gibt dem Blick so etwas Verträumtes. „Das hilft immer! Die Menschen rufen dann ganz entzückt - Nein, ist der süß! - tätscheln mich und holen dann etwas zu fressen. Meistens jedenfalls.“ Mein Freund fletscht die Zähne zu einem gutmütigen Lächeln. Dabei wackelt sein Schnauzbärtchen vergnügt. Spielerisch schlage ich mit der Pfote nach ihm. „Du albernes Kind! Ich werde dir schon zeigen, wer der Chef ist!“ Blitzschnell ist Schnauzi auf den Beinen und wirft sich liebevoll knurrend auf mich. Habe ich es doch wieder mal geschafft, den Trauerkloß von seinem Kummer abzulenken! Behände winde ich mich unter ihm frei und laufe laut bellend davon. Wenige Sekunden später holt er mich ein. Es folgt eine wilde Balgerei. Das ist unsere Art Zuneigung zu zeigen. Bei unserem ausgelassenen Spiel bemerken wir Colli zu spät. Eifersüchtig um sich beißend stellt er sich zwischen uns. Ich nehme sofort reißaus. Es ist nicht empfehlenswert, sich mit dem Boss unserer Gang anzulegen. Zwar ist er der Kleinste von uns Vieren und hinkt mit dem rechten Vorderlauf, aber er hat eindeutig das Sagen. „Lassy-Zwerg“, nennt ihn Schnauzi manchmal verächtlich. Natürlich nur, wenn Colli es nicht hört, denn er ist, wie viele kleingewachsenen Geschöpfe, etwas humorlos und kann ziemlich aggressiv werden. Dann zieht er seine braunen Samtaugen grimmig zusammen und knurrt gefährlich. So wie jetzt. Schnauzi sucht mit eingezogenem Schwanz und gesenktem Kopf das Weite. Sieht Colli denn nicht, wie deprimiert er ist? Kann er ihm nicht das bisschen Aufmunterung gönnen?

 

Seufzend lege ich mich neben Hyra, die unter einem Baum völlig apathisch döst. Auch ihr haben die Menschen übel mitgespielt. Es dauerte eine Weile, bis wir uns mit ihr anfreundeten. Zuerst mochten wir sie nicht als sie zu uns in die Bucht kam. Damals in dieser schwülen Sommernacht. Wir hatten gerade ein opulentes Mahl verdrückt: Würstchenreste, Pommes, Brot, Ölsardinen, gegrillten Fisch, Kuchen und vieles mehr. Was Badegäste eben so alles als Abfall hinterlassen. Nun lagen wir satt im Sand als plötzlich Hyra vor uns stand. Eine imposante, gepflegte Erscheinung. Staunend schauten wir sie an. So ein glänzendes Fell hatten wir noch nie gesehen. Und wie sie duftete! Colli ging sofort in Imponierpose auf sie zu. Aber Hyra beachtete uns gar nicht, sondern zog sich hochnäsig in eine geschützte Ecke zurück. Weil sie den typischen, überzüchteten Körperbau des Schäferhundes hat und deshalb an eine Hyäne erinnert, hat Colli sie spontan Hyra getauft. Tagelang hielt sie sich von uns fern. Vertrauensvoll glaubte sie lange, ihre Menschen hätten sie nach dem Strandausflug nur vergessen und würden sie bald wieder nach Hause holen. Als auch nach Wochen niemand kam, resignierte sie und wurde depressiv. Hinzu kam, dass sie keinerlei Erfahrung mit dem freien Leben hatte. Mühsam musste sie erst lernen, sich Leckerbissen zu erbetteln oder im Müll welche zu finden. Beim ersten Gewittersturm drehte sie fast durch. Wenigstens ließen die anderen Hunde sie in Frieden, wahrscheinlich aufgrund ihrer imposanten Größe. Bekümmert schaue ich zu Hyra hinüber. Nichts ist mehr geblieben von ihrer einstigen Schönheit. Das Fell struppig, verfilzt und voller Kletten; blutige, ausgefranste Ohren; trübe Augen, die so traurig blicken, dass es einem das Herz zerreißt. Je hässlicher sie wurde, umso unfreundlicher wurden die Menschen zu ihr. Oft werfen sie sogar Steine oder treten nach ihr. Wahrscheinlich weil sie den Leuten zu sehr auf die Pelle rückt, im Glauben, sie könnte ein neues Herrchen oder Frauchen finden. Immer noch hat sie Heimweh. Manchmal spricht sie im Traum von vollen Futternäpfen und einem Frauchen, das sie immerfort knuddelt. Oh, ich habe solch einen Hass auf ihren früheren Halter. Wenn ich ihn zu fassen bekäme, ich würde ihn über den Strand jagen und schließlich in die Waden beißen! „Was schaust Du denn so grimmig, Schätzchen? Rück zu mir ran und schlaf ein bisschen!“ Hyra gibt mir einen zärtlichen Stups. Ganz dicht kuschele ich mich an sie. Ein wenig riecht sie wie meine Mama. Wo die jetzt wohl ist? Seit Wochen habe ich sie nicht gesehen. Die Anderen wissen etwas, aber sie weichen mir immer aus, wenn ich frage. Mit einem tiefen Seufzer schlafe ich ein.

 

Motorengeräusch weckt uns aus unserem Mittagsschlummer. Zwei große Campingfahrzeuge kommen die Straße hinunter. Ich springe hoch: „Komm mit, Schnauzi! Wir laufen hinterher und bellen ganz laut! Das ist toll!“ „Keine Lust!“ Seufzend lege ich mich wieder hin. Ohne meinen Kumpel macht das Autojagen keinen Spaß. Außerdem traue ich mich, ehrlich gesagt, alleine nicht. Ein bisschen Risiko ist nämlich schon dabei. Man weiß nie genau, wie schnell das Wohnmobil ist und ob es nicht plötzlich auf einen zufährt. Manche Leute mögen keine Hunde, das habe ich auch schon gemerkt. Große Probleme hatte ich jedoch noch nie mit den Menschen. Irgendwie kriege ich sie fast immer so weit, dass sie nett zu mir sind. Oft fällt dann auch etwas für meine Freunde ab. Darauf bin ich mächtig stolz. Ich bin zwar die Jüngste, aber bei der Futterbeschaffung die Erfolgreichste. Mehrmals fahren die beiden Camper hin und her, bis sie ein geeignetes Plätzchen gefunden haben. Als sie dann endlich aussteigen, folgen die üblichen Begeisterungsausbrüche. Menschen scheinen die See und die heiße, griechische Sonne zu lieben. Ich ziehe ja lieber den Schatten vor und ins Wasser kriegt mich sowieso keiner. Das Paar, das aus dem blau-weißen Fahrzeug kommt, stürzt sich sofort ins Meer. „Typisch!“ wende ich mich grinsend Hyra zu. Die ist schon wieder unruhig geworden und schaut lauernd zu den Leuten hinüber. „Hyra, lass es sein! Hinterher bist Du doch wieder nur enttäuscht!“ gebe ich zu Bedenken. Endlich öffnet sich die Tür des zweiten Campers. Eine Frau mit grauen Haaren tritt heraus, zwei stattliche Hunde stürzen hinterher. „Nein, sind die schön!“ entfährt es mir. Noch nie habe ich so hübsche Artgenossen gesehen. Sie scheinen einer fremden Welt entsprungen zu sein. Feurig und ungestüm das Männchen, vornehm zurückhaltend das Weibchen. Und so feine Manieren! Eine Handbewegung der Dame genügt und die Hunde legen sich brav vor das Wohnmobil. Nun kommt eine zweite Frau heraus. Ihre Haare sind braun-gelockt und ihre langen Ohrringe baumeln lustig hin und her. Jetzt hat sie mich entdeckt und ruft mir trällernd etwas zu. Mein Hundeherz macht einen Hüpfer. So lieb hat noch nie jemand zu mir gesprochen. In meinem bewährten Schwänzelschritt laufe ich auf sie zu. Erwartungsgemäß werde ich getätschelt und gelobt. Zum Dank lecke ich ihr die Hände. Das mögen die meisten Menschen. Irgendwie sind sie dann immer ganz gerührt. „Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann wir etwas zu futtern bekommen,“ flüstere ich verschmitzt Schnauzi zu. Von dem vornehmen Weibchen halte ich mich sicherheitshalber fern, denn sie schaut ziemlich zickig zu mir herüber. Mit dem Prachtrüden ist auch nicht viel los. Zwar lässt er sich zu einer tobenden Jagd animieren, verliert aber schnell die Lust am rumtollen. Später spielt er hingebungsvoll mit dem dunklen Frauchen. Sie versteckt Dinge, die er dann finden muss. Es sind aber alles Sachen die man nicht fressen kann. „Sind schon seltsame Vögel, diese Haushunde!“ flüstere ich kopfschüttelnd Hyra zu. „Spätzchen, davon verstehst Du nichts! Ich habe früher auch all diese Spiele beherrscht. Am Morgen habe ich meinem Herrchen sogar die Zeitung aus dem Briefkasten geholt!“ „Zeitung? Briefkasten?“ Fragend schaue ich Hyra an. Ihr sehnsuchtsvoller Blick gibt mir einen Stich ins Herz und lässt mich verstummen.

 

Unterdessen entwickeln die Menschen hektische Betriebsamkeit. Teppiche werden ausgelegt, Matten ausgeklopft, Stühle und Tische aufgestellt, Markisen ausgefahren. Endlich lassen sich die Vier zufrieden seufzend nieder. Auf dem Tisch stehen Tassen und Teller. Verführerischer Duft zieht zu uns herüber. Sogar Colli verlässt seinen Lieblingsplatz unter dem Eukalyptusbaum und schlendert in Richtung der Köstlichkeiten. Nun liegen wir in angemessener Entfernung um die Neuankömmlinge herum. „Also, denkt daran: Geduld bewahren, lieb gucken und nicht zu aufdringlich sein!“ „Spiel Dich nicht so auf, Kleine. Hier bin immer noch ich der Boss!“ faucht mich Colli an. Kleinlaut weiche ich seinem Blick aus. „Ist ja gut!“ Da kommt der große Mann aus dem blau-weißen Fahrzeug auf mich zu. Blitzschnell springe ich auf und laufe zu ihm, nicht ohne Colli vorher einen schadenfrohen Blick zugeworfen zu haben. Der Mann tätschelt mich ausgiebig und spricht mich freundlich an. Irgendwie fasse ich sofort Vertrauen zu ihm. Wohlig lehne ich mich an sein Bein und beiße ihn sanft in die Hand. Menschen nennen das, glaube ich, küssen. Aber es scheint ihm nicht so gut zu gefallen, denn er sagt jetzt sehr bestimmt „Nein“ und hört mit dem Streicheln auf. Neckisch schlage ich mit der Pfote nach ihm, um ihn zum Weitermachen zu animieren. Wieder einmal bin ich erfolgreich. Jetzt tobt er sogar ausgelassen mit mir herum. Natürlich bin ich viel schneller als er, aber das zeige ich ihm nicht. Seine Frau hat sich unterdessen genähert und schaut uns lachend zu. Wie die lachen kann! Richtig sympathisch klingt das! Freudig schwänzle ich auf sie zu und werde mit kraulen belohnt. Sie findet genau die Stelle hinterm Ohr, wo ich es am liebsten habe. Beide haben sehr angenehme Stimmen und riechen so lecker. Ob sie mir etwas von ihrem Fressen abgeben? Kaum habe ich daran gedacht, verschwindet die Dame im Camper, um kurz darauf mit vier Bechern voller Köstlichkeiten wieder an den Strand zu kommen. Gerecht stellt sie vor jeden von uns ein Gefäß. Wie vorausschauend sie ist! Endlich kann ich mal fressen, ohne mich gegen Colli und Hyra durchsetzen zu müssen. Sogar der ängstliche Schnauzi bekommt heute genug ab.

 

Es folgen drei Tage wie im Paradies. Wir bekommen mehrere Mahlzeiten am Tag. Hyra hat sich den beiden Damen, sie heißen Heide und Lydia, angeschlossen und folgt ihnen auf Schritt und Tritt. Unter deren liebevollen Zuwendung wird sie von Tag zu Tag lebhafter und ausgeglichener. Ich mache mir Sorgen um meine Freundin, denn ich weiß, sie wird in ein großes Loch fallen, wenn die Urlauber wieder abreisen. Colli holt sich regelmäßig sein Fressen und hin und wieder ein paar Streicheleinheiten ab, spielt aber wie üblich den Coolen. Schnauzi wird von seiner Angst beherrscht. „Die sind doch alle so nett. Die tun Dir bestimmt nichts“, versuche ich ihn zu beruhigen. Aber es ist nichts zu machen. Man spürt seinen inneren Kampf. Seine Qual, nicht vertrauen zu können, obwohl er sich nach Liebe sehnt. Das muss ungefähr so sein, wie meine frühere Angst von einer Mauer zu springen. Ich kann mich noch genau daran erinnern. Wie ich oben stand, hinunter blickte, immer wieder zum Sprung ansetzte, aber einfach nicht springen konnte. Verzweifelt und am ganzen Leib zitternd, heulte und jammerte ich. Schnauzi und Hyra riefen mir von unten Mut zu, aber ich war wie gelähmt. Colli löste schließlich das Problem recht burschikos, indem er mich kräftig in den Hinterlauf zwickte. Erschrocken sprang ich weg und landete im nächsten Moment unten. Alles halb so schlimm! Das erzähle ich Schnauzi, um ihn zu ermuntern, aber er will meine Ratschläge nicht hören. Wortlos steht er auf, wendet sich ab und legt sich etwas entfernt von mir wieder hin. Einmal dachte ich, das Eis sei gebrochen. Wir trotteten alle hinter Heide und Lydia her, die am Strand spazierten. Plötzlich, für den Bruchteil einer Sekunde berührte Schnauzi mit seiner Nase Lydias Hand. Ich bin überzeugt, daß er es mit Absicht tat. Leider konnte er sich nie zu größerer Nähe durchringen.

 

Ja, und nun zu mir! Ich habe das große Los gezogen! Pit und Pat, so heißen die beiden aus dem weiß-blauen Wohnmobil, haben einen Narren an mir gefressen und mögen mich richtig gern. Das spüre ich ganz genau. Hin und wieder bekomme ich nämlich ein Extra-Leckerli. Außerdem bürstet Pat ausgiebig mein Fell, das jetzt schon richtig seidig glänzt. Oh, tut das gut! Kara hat sie mich genannt. Wahrscheinlich weil ich aus der Karathona-Bucht stamme und auch, weil ich so ein schönes, freundliches Wesen bin.

 

Gerade kommen sie aus dem Fahrzeug. Sie tragen Turnschuhe, ein sicheres Zeichen, dass wir zu einem herrlich langen Spaziergang aufbrechen. Vergnügt folge ich ihnen. Heute geht es in die Richtung, die vom Strand wegführt. Etwas mulmig ist mir schon, denn hier war ich noch nie. Aber ich habe grenzenloses Vertrauen in die Beiden. Die werden schon wissen, was sie tun. Schnauzi bellt mir nach, ich solle nicht so weit weggehen, man wisse ja nie, was die Menschen im Schilde führten. Für einen Moment werde ich unsicher und bleibe stehen. Dann rufe ich zur Bucht hinunter: „Ach, Du oller Spaßverderber!“ und renne Pit und Pat hinterher, die schon hinter der nächsten Wegbiegung verschwunden sind. Da sind sie ja! Und wie sie sich freuen, mich zu sehen! Wir laufen ziemlich lange. Alles ist so aufregend! Ungewohnte Düfte! Ganz neue Erfahrungen! Gut, dass die Beiden dabei sind, sonst wäre mir schon etwas ängstlich zumute. Plötzlich hört der Schotterweg auf und mündet in eine asphaltierte Straße. Laut ist es hier. Hupende Autos, ganz viele Leute, schreiende Kinder und diese schrecklichen jungen Leute mit ihrer ohrenbetäubenden Musik. Nein, hier halte ich es keine Minute länger aus! Mit eingeklemmtem Schwanz renne ich in die nächste Hofeinfahrt. Zitternd bleibe ich an der Mauer stehen. Hier bin ich erst mal in Sicherheit. Pit kommt hinter mir her, streichelt mich und redet beruhigend auf mich ein. „Da kannst Du reden wie Du willst“, denke ich, „ich rühre mich nicht mehr vom Fleck.“ Wenn ich etwas nicht will, kann ich ziemlich stur sein. Ratlos stehen Pit und Pat vor mir und überlegen, was sie tun sollen. Schließlich nimmt mich Pit auf seine starken Arme. Ja, so ist das Stadtleben auszuhalten. Hier oben fühle ich mich sicher und habe außerdem einen fantastischen Überblick über das hektische Treiben. Nach einer Weile setzt er mich leider wieder ab. Der Innenstadtbereich liegt hinter uns. Je näher wir meiner Heimatbucht kommen, um so schneller laufe ich. Es gibt so viel, was ich meinen Kumpels erzählen muss.

 

Am nächsten Tag geschieht das, was geschehen musste: Die freundlichen Menschen reisen ab. Zuerst steigen Heide und Lydia in ihr Fahrzeug. Man merkt, wie schwer es den Beiden fällt, Abschied von uns zu nehmen. Zügig fahren sie davon, wir rasen hinterher. Vielleicht lassen sie sich ja doch noch umstimmen und bleiben für immer hier in der Bucht. Aber es ist aussichtslos. So schnell wir auch laufen, wir können sie nicht einholen. Schließlich sind sie hinter der nächsten Kurve verschwunden und wir trotten traurig zurück. Voller Mitleid schiele ich zu Hyra hinüber. Sie lässt sich ihren Kummer nicht anmerken. Schnauzi und Colli haben sich mit dem jähen Ende des Paradieses schnell abgefunden. Sie hatten wohl nie etwas anderes erwartet. „Nein!“ denke ich. „Ich will ein besseres Leben! Ich will Menschen, die mich lieben und vor allem, immer einen vollen Fressnapf!“ So schnell ich kann, laufe ich zurück. Gott sei Dank, Pit und Pat sind noch da. Schwänzelnd gehe ich auf sie zu, werfe mich vor ihre Füße, lecke ihre Hände. Beide seufzen schwer, schauen sich an, gehen ins Wohnmobil, kommen wieder raus, seufzen wieder. So geht das mehrere Male. Schließlich nehmen sie mich bei meinen Vorderpfoten, setzen die auf die Treppe zum Fahrzeug und helfen an meinem Hintern schiebend nach. So komme ich das erste Mal in meinem Leben in einen Camper. Eng ist es hier, aber es riecht überall sehr lecker. Hier muss es reichlich zu fressen geben. Kaum habe ich alles beschnüffelt, wird es ohrenbetäubend laut und das Fahrzeug vibriert eigenartig. Ich glaube, den Boden unter meinen Pfoten zu verlieren. Ganz schwindelig und schlecht wird mir. Tief durchatmen, nicht bewegen. Pat redet beruhigend auf mich ein und tätschelt mich monoton. Pit dreht derweil ständig an einem Rad herum und hat überhaupt kein Auge mehr für mich. Was meine Freunde jetzt wohl machen? Mir kommen Zweifel. Vielleicht hätte ich doch in der Bucht bleiben sollen. Trübsinnig starre ich vor mich hin. Hechelnd, denn mir ist übel. So falle ich in einen komaähnlichen Schlaf, aus dem ich erst wieder erwache, als mir Pit ein Band um den Hals legt und mich aus dem Wohnmobil zieht. Draußen riecht es zwar anders als in meiner Bucht, aber ich nehme auch vertraute Düfte wahr: Gras, Büsche, das Meer. Erleichtert mache ich erst einmal Pippi. Meine Adoptiveltern sind sehr lieb zu mir und geben mir gleich ein Schälchen des saftigen Futters. Spontan beschließe ich, abzuwarten. Mal sehen, wie mir das neue Leben gefällt. Abhauen kann ich immer noch!