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Sheikh-Zayed-Moschee Abu Dhabi
Sheikh-Zayed-Moschee Abu Dhabi

 

 Leuchten

 

Die Sheikh-Zayed-Moschee muss man gesehen haben. In ihrer heiteren Pracht erinnert sie mich an eine Barockkirche. Mit ihren 80 Kuppeln zählt sie zu den größten Moscheen der Welt. 2007 fertig gestellt, verbindet sie traditionelle und moderne Architektur. Schon von weiten sind die vier über einhundert Meter hohen Minarette zu sehen. Wieder sind wir mit dem Taxi unterwegs. Unser Fahrer sieht mit seinem langen, schwarzen Bart wie ein indischer Sikh aus, nur ohne Turban. Er wirkt sehr zurückhaltend, fast ein wenig schüchtern. Kaum hat das Fahrzeug den Parkplatz vor der Moschee verlassen, bemerkt Peter, dass er sein Handy darin liegen gelassen hat. Ich rufe mit meinem Gerät im Hotel an und schildere die Situation. Eine genaue Fahrerbeschreibung fällt uns nicht schwer. Bei der Automarke wird es schon schwieriger, und die Taxinummer haben wir beim Ein- und Aussteigen natürlich überhaupt nicht wahrgenommen. „Das Handy kann ich abschreiben“, meint Peter und bemerkt noch fatalistisch: „Komm, lass uns die Moschee besichtigen. Es hilft ja nichts, Trübsal zu blasen“.

 

Wie schon im Louvre, müssen auch hier am Eingang Fotoapparate, Handys, Uhren, Geldbörsen usw. vor dem Scannen aus den Taschen raus genommen werden. Es geht ziemlich hektisch zu, der Andrang ist beachtlich. Wir mögen diese touristischen Massenziele ja eigentlich gar nicht, aber das Bauwerk muss nach unseren Recherchen so beachtlich sein, dass wir uns überwinden. Außerdem haben wir noch nie eine Moschee von innen gesehen. Meistens ist „Ungläubigen“ der Zutritt ja verboten. Nach dem Scannen werde ich in eine Kleiderkammer geschickt, wo ich mir einen Umhang mit Kapuze überziehen muss. So verkleidet, komme ich lächelnd wieder heraus, in der Erwartung, dass auch Peter belustigt grinsen wird. Der steht aber ziemlich aufgelöst vor mir: „Ich habe mein Portemonnaie in dem Gedrängel am Scanner liegen lassen. Heute ist wirklich nicht mein Tag!“ Ein Angestellter sieht unsere Aufregung und fragt, ob wir etwas suchen. Peter erläutert ihm das Malheur. Der junge Mann fragt nach dem Aussehen der Börse und nach Peters Namen. Dann hält er ihm das verlorene Stück hin. Am liebsten würden wir ihm um den Hals fallen.

 

Der Weg entlang zahlreicher Wasserbecken bis zum Eingang des Gotteshauses ist gut ausgeschildert. Überhaupt ist alles perfekt organisiert. Vor dem Eingang – der Eintritt und sogar Führungen in englisch sind übrigens kostenlos – stehen nummerierte Regale bereit, in denen man seine Schuhe deponieren kann. Wir lassen uns auf einer der Bänke davor nieder und ziehen unsere Sandalen aus. Gut, dass ich Socken zum Überstreifen mitgenommen habe, sonst müssten wir jetzt barfuß laufen. Dann reihen wir uns in den Touristenstrom ein. „Oom, ganz ruhig, Pat, nur nicht aufregen!“, rede ich mir selbst gut zu. Das Verhalten der Besucher verlangt uns viel Selbstbeherrschung ab. Es ist einfach unglaublich, wie respektlos und dreist die Menschen sich verhalten, nur um ein selbstverliebtes Selfie zu schießen. Und es ist bemerkenswert, wie freundlich und ruhig die Ordnungskräfte bleiben, wenn sie wahrscheinlich zum hundertsten Mal an diesem Tag einen dieser Narzissten höflich bitten müssen, hinter die Absperrung zurückzukehren.

 

Erhaben ruht das Bauwerk auf mehr als tausend weißen Marmorsäulen. Zarte, wunderschöne florale Muster aus Halbedelsteinen sind in den Marmor eingearbeitet. Auch den Boden des imposanten Innenhofs zieren filigrane Blumenranken. Hier können sich 30.000 Gläubige versammeln. Im Innenraum finden 10.000 Menschen Platz. Über die Gebetshalle wölbt sich eine vergoldete Kuppel, von der der weltweit größte Swarovski-Leuchter mit über einer Million Kristallen herab hängt. Auch der handgeknüpfte Teppich hält mit 7000 qm und 47 Tonnen Gewicht den Weltrekord. Die durch die bemalten Fenster einfallende Sonne hüllt alles in ein sanftes Licht. Nicht die Superlative, sondern dieses Leuchten sowie die helle, klare Schönheit des Bauwerks beeindrucken uns. So sehr, dass diese Eindrücke sogar die unerträglichen Touristenmassen überstrahlen. „Schön, dass wir hierher gekommen sind“, sind wir uns einig.